Sektsteuer: eine Erfindung von der eebsch Seit‘?

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Haben Sie schon einmal von der Sektsteuer gehört? Wir berichten an dieser Stelle gern über Weinreisen, geben Tipps zur Gastronomie in Mainz oder empfehlen bestimmte Weine. Die Aufklärung zu allen interessanten Fakten rund um Sekte und Weine gehört zu unseren Aufgaben, daher möchten wir an dieser Stelle einmal auf die Sektsteuer eingehen. Interessant: Diese bezahlen Sie nämlich immer mit, wenn Sie in eine Flasche Sekt oder Schaumwein investieren! Lesen Sie hier, woher die Sektsteuer stammt, was sie bringen sollte und warum sie immer noch erhalten geblieben ist.

Eine Empfehlung vorab: damit Ihre gute Laune erhalten bleibt: gießen Sie sich ein Schlückchen ins hoffentlich unweit stehende Sektglas. Das macht es Ihnen sicherlich angenehmer, der Story aus Kaisers Zeit zu folgen.

Sektsteuer und Soli-Zuschlag

Wissen Sie, was der Soli-Zuschlag und die Sektsteuer gemeinsam haben? Die Antwort darauf ist ganz simpel: Beide werden weitergeführt, obwohl der Grund für die Erhebung der jeweiligen Steuer längst nicht mehr vorhanden ist. Dabei hat der Staat natürlich kein schlechtes Gewissen, denn die Erhebung der Sektsteuer bringt Unmengen an Geld in die Staatskassen. Im Jahr 1949 waren es unglaubliche 449 Millionen Euro – ganz nebenbei verdient, ohne etwas dazu zu tun und ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Doch woher kommt die Sektsteuer nun eigentlich?

Man schrieb das Jahr 1902, als Kaiser Wilhelm II. auf die Idee kam, er könnte doch seine Kriegsflotte ein wenig aufbessern. Die leeren Staatskassen gaben dies aber nicht her und so war der Gedanke geboren, eine Steuer von den Bürgern zu erheben. Diese sollten schließlich etwas für ihr Land tun und dieses bei der Steigerung der Ausgaben für die Wehrkraft unterstützen. Daher wurden 50 Pfennige als Sektsteuer angesetzt. Die Flasche selbst kostete aber bereits 2,50 Mark, was dann insgesamt einen stolzen Preis von drei Euro ausmachte – viel Geld für die damalige Zeit.

Erst weg – dann wieder da: die Sektsteuer

Der Erste Weltkrieg ging vorüber und auch Kaiser Wilhelm II. war Vergangenheit. Was blieb, war die Sektsteuer. Doch diese wurde 1933 abgeschafft und so konnte die Wirtschaftskrise überwunden oder zumindest die Überwindung selbiger unterstützt werden. Doch nur wenige Jahre konnten die Bürger des Landes ihren Sekt und Schaumwein steuerfrei genießen, denn 1939 hieß es wieder, dass die Kriegsflotte aufgerüstet werden müsste. Die Steuer war wieder da und es wurde eine ganze Reichsmark erhoben. Der Genuss am edlen Wein war dahin.

Die Steuer wurde fortan beibehalten und konnte auch später nicht gänzlich abgeschafft werden. Doch während sie in einigen Jahren immer wieder stieg und teilweise eine Höhe von drei Mark erreichte, sank sie später wieder. Heute werden 38 Cent für eine Flasche mit 750 ml Inhalt erhoben, wenn der Alkohol unter sechs Prozent liegt. Ist der Anteil an Volumenprozent jedoch höher, werden für eine Flasche gleichen Inhalts schon 1,02 Euro fällig.

Dabei galt die Sektsteuer schon immer als Konjunkturbremse, weshalb Christian Adalbert Kupferberg von der Sektkellerei Kupferberg in Mainz auch dagegen vorgehen wollte. Er konnte nach der Wiedereinführung der Steuer nur noch etwa ein Viertel der Menge an Sekt verkaufen, die er in der Vorkriegszeit loswerden konnte. Beispielhaft ist dabei auch das Beispiel der Umsatzzahlen aus 1949, als sieben Millionen Flaschen Sekt verkauft werden konnten. Im Jahr 1936 hingegen waren es ohne die Sektsteuer etwa vierzehn Millionen Flaschen.

Heute verzichtet der Staat natürlich nicht auf diese lukrative Einnahmequelle, bei der ohne eigenes Zutun Millionen in die Kassen gespült werden.


Bildnachweis: © morguefile.com – pedrojperez

Über den Autor

Hans-Jürgen Schwarzer

Hans-Jürgen Schwarzer leitet die Content-Marketing-Agentur schwarzer.de software + internet gmbh. Als Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger, Gourmet, und Gourmand gehört er zu den Hauptautoren von mainz-schmecker.de. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatrioten herausragende kulinarische Erlebnisse besonders am Herzen.

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