Luxusküchen für alle: Die Küche als Vorzeigeraum

Die Küche ist längst nicht mehr nur ein Raum, in dem Lebensmittel zubereitet werden und in dem es eine Essecke gibt, um die Mahlzeiten mit der Familie einzunehmen. Heute ist die Küche eher ein Vorzeigeraum, in dem sogar Gäste empfangen werden. Gleichzeitig mit diesem Funktionswandel setzte der Wunsch nach einer hochwertigen bis luxuriösen Küche ein: Luxusküche für alle?

Der Deutschen liebstes Kind – die Küche?

Ursprünglich war der Deutschen liebstes Kind das Auto: Hier wurde viel Zeit und Geld investiert, damit ein Prestigeobjekt gefahren werden konnte. Hier hat ein Wandel eingesetzt und das Auto soll vor allem zweckmäßig sein und alles transportieren, was von A nach B gebracht werden muss. Wenn es dabei noch gut aussieht – schön! Der Fokus der Menschen liegt aber in jüngster Zeit verstärkt auf den eigenen vier Wänden oder wenigstens auf dem Wohnraum, der zur Miete zur Verfügung steht.

Luxusküche? Was eine Luxusküche ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. (#01)

Luxusküche? Was eine Luxusküche ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. (#01)

Die Küche wird dabei besonders in den Mittelpunkt gesetzt und dient als Aufenthaltsraum für die Familie ebenso wie als Raum für den Empfang von Gästen. Es handelt sich längst nicht mehr nur um einen Arbeitsraum, der pflegeintensiv ist und nur einen praktischen Nutzen erfüllen soll. In der Küche werden zwar immer noch Mahlzeiten zubereitet, doch diese dienen vor allem dem Genuss – neben dem Sattwerden natürlich. Gleichzeitig mit dem Wandel der Funktionalität der Küche setzte in Bezug auf die Ausgaben der Wohnungsbesitzer oder Hauseigentümer eine Veränderung ein: Küchen dürfen heute ruhig etwas kosten.

Die Küchenhersteller warten mit immer längeren Wartezeiten auf und können immer neue Umsatzrekorde verzeichnen.

Welch Glanz in unserer Hütte!

Damit eine Küche modern eingerichtet ist und gut aussieht, ist sie mit zahlreichen Details versehen:

  • Arbeitsplatten aus Marmor,
  • Granit oder Echtholz,
  • lackierte Fronten,
  • die Verwendung von Massivholz,
  • Schränke ohne Griffe,
  • Induktionsherde

All das und noch viel mehr bringt Glanz und Glamour in jede Wohnung. Wer sich jetzt eine Küche neu einrichtet, verzichtet liebend gern auf billige Holzimitationen und Arbeitsplatten aus Sprelacart.

Eine Küche muss etwas hermachen, und wenn sie dann noch praktisch ist – umso besser! Diese beiden Kriterien lassen sich auch wunderbar mit der Verwendung von Töpfen und Pfannen verbinden, die idealerweise in Edelstahloptik daherkommen und eigentlich viel zu schade dafür sind, im Schrank verstaut zu werden. Gut, wenn für jeden Anlass das passende Kochgeschirr vorhanden ist und Töpfe, Bratpfannen, Servierpfannen oder Kessel je nach Bedarf eingesetzt werden können.

Bemerkenswert: Im Jahr 2015 wurden rund elf Milliarden Euro umgesetzt und das allein von den etwa vierzig deutschen Küchenherstellern. Die Steigerung zum Vorjahr beträgt hier ganze sieben Prozent. Zwei Drittel dieser Erlöse wurden im Inland umgesetzt, der hier aufgetretene Kaufrausch ist schon bemerkenswert. Etwa 1,4 Millionen Küchen wurden ausgeliefert und dabei sind noch nicht einmal die Modelle von IKEA, aus Baumärkten und von Billiganbietern enthalten. Die Einrichtungslust der Deutschen mit neuen und luxuriösen Küchen ist groß, worüber sich die Händler natürlich nicht beschweren.

Die Gründe sind vielfältig, vor allem aber auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen. Viele Menschen nutzen das aktuelle Zinstief und richten sich neu ein. Es wird Wohneigentum geschaffen und dieses will eingerichtet sein – natürlich mit einer neuen Küche. Wer umzieht, setzt ebenfalls immer häufiger auf neue Möbel statt auf die Übernahme der bereits vorhandenen Küche. Der Trend geht dabei eindeutig zur offenen Wohnküche.

Zu einer echten Luxusküche gehören auch Luxusgeräte. (#02)

Zu einer echten Luxusküche gehören auch Luxusgeräte. (#02)

Offen wohnen und kochen

Niemand möchte sich mehr in die Küche zurückziehen müssen, damit er in Ruhe kochen kann. Wer kocht, will dennoch am Familienleben teilhaben oder gleichzeitig mit Besuchern plaudern können. Das erklärt den Trend zur Wohnküche, für die sogar Wände eingerissen oder versetzt werden. Zudem kommt es auf eine schöne Aussicht an: Wer sein Geschirr spült oder die Kartoffeln schält, möchte nach draußen blicken können. Gut, wenn das Haus bzw. die Küche derart gelegen ist, dass sich ein wundervolles Panorama bietet. Notfalls reicht auch der Blick in den Garten. Wer sich in seiner Küche wohlfühlen möchte, setzt auf den perfekten Ausblick, auf das offene Wohnen in funktionalen und dennoch ansehnlichen Möbeln.

Preisentwicklung bei Küchen

Marktforscher haben herausgefunden, dass die Deutschen gern bereit sind, mehr für eine neue Küche auszugeben. Wurden 2014 Durchschnittspreise von 6.054 Euro für eine neue Kücheneinrichtung gezahlt, waren es 2015 schon 6.439 Euro. Dabei ist das Wachstum vor allem bei besonders hochpreisigen Küchen zu verzeichnen. Preislagen ab 10.000 Euro verzeichnen dabei die größten Zuwächse. Der Grund: Die Menschen wünschen sich mehr Komfort, Flexibilität und ein besonderes Design. All das ist bei den billigeren Küchen nicht zu finden. Selbstreinigende Öfen, besonders leise Abzugshausen, Arbeitsplatten aus Glas und Echtholzfronten sind nur einige Details der Küchen, die neuerdings in die Häuser und Wohnungen der Deutschen einziehen dürfen und die immer stärker nachgefragt werden.

Das lässt sich sogar statistisch belegen: 2015 lag der Anteil an Küchenfronten, die mit Lacklaminat oder Lack ausgestattet waren, um acht Prozent über den Werten des Vorjahres. Jede zweite verkaufte Küche bringt einen selbstreinigenden Backofen mit. Über die Hälfte der Herde sind mit Induktionstechnik ausgestattet, genau genommen sind es sogar 56 Prozent. Dieser Trend setzt sich auch in 2016 fort, denn im ersten Quartal betrug der Anteil der selbstreinigenden Backöfen schon 59 Prozent aller verkauften Öfen. Selbst putzen ist ebenso out wie der Verzicht auf hochwertige Oberflächen und Materialien.

Besondere Haushaltsgeräte müssen her

Wer richtig scharf essen möchte, muss die Möglichkeit der perfekten Zubereitung der Speisen haben. Das gilt natürlich auch für all diejenigen, die weniger scharf, dafür aber ebenso lecker speisen möchten. Die klassische Anordnung der Kochfelder reicht nun nicht mehr, die Induktion soll flexibel sein. Töpfe und Pfannen sollen idealerweise völlig frei aufgestellt werden können.

Dazu wächst die Nachfrage nach Haushaltsgeräten, die besonderen Anforderungen genügen. Sie sollen sehr leise sein, wenig Energie verbrauchen und miteinander vernetzbar sein. Wer möchte nicht nach Hause kommen und den fertigen Kaffee nur noch eingießen müssen? Dennoch wünschen sich die Küchenkäufer, dass die Kühl- und Gefrierschränke sowie weitere Haushaltsgeräte die höchste Energieeffizienzklasse aufweisen. Luxus zum kleinen Preis – wenn auch auf längere Sicht, denn die Stromeinsparungen müssen sich erst gegen den höheren Kaufpreis beweisen. Die Spülmaschine soll möglichst leise arbeiten, denn wer sich aus dem Küchenbereich der offenen Wohnküche in den Wohnbereich zurückzieht, möchte dort von lästigen Küchengeräuschen verschont bleiben.

Töpfe gehören doch in jede Küche? Was ist daran Luxus? Wer einmal einen guten Satz Töpfe gekauft hat, stellt diese Frage nicht mehr. (#04)

Töpfe gehören doch in jede Küche? Was ist daran Luxus? Wer einmal einen guten Satz Töpfe gekauft hat, stellt diese Frage nicht mehr. (#04)

Weitere Küchentrends folgen

Hersteller haben die Fähigkeit entwickelt, den Wunsch nach etwas Neuem bei Verbrauchern derart zu stärken, dass diese nicht mehr warten, bis ein Haushaltsgerät defekt ist, ehe es ersetzt wird. Große Spülmaschinen, die weitaus mehr Geschirr fassen als üblich, sind solche „Habenwollen-Geräte“. Warum bei der Gelegenheit nicht auch gleich den alten Kühlschrank entsorgen und gegen ein Modell austauschen, welches nach dem amerikanischen Großkühlschrank-Vorbild designt wurde?

Der Bedarf an neuen Küchengeräten und –möbeln ist definitiv da, wobei Experten den Trend festgestellt haben, dass vor allem deutsche Hersteller gefragt sind. Rund 42 Prozent der Küchenproduktionen, die aus deutschen Fabriken stammen, werden ins Ausland verkauft.

Vor allem geht die Reise nach

  • Frankreich,
  • Belgien,
  • in die Niederlande
  • sowie in die Schweiz und nach Österreich.
  • Großbritannien,
  • China,
  • Russland und Südostasien fragen ebenfalls nach Produktionen aus Deutschland.

Vor allem Kunden, die zu den einkommensstarken Verbrauchern zählen, setzten auf europäische und hier vor allem auf deutsche Produktionen – China gerät mit Billigangeboten mehr und mehr ins Hintertreffen. Küchen sollen funktionieren, sie sollen aber auch ein Prestigeobjekt sein. Nicht umsonst eröffnen immer mehr deutsche Küchenhersteller Tochtergesellschaften in anderen Ländern. Umgekehrt gilt aber, dass zum Beispiel China und Italien in Deutschland nicht Fuß fassen können.


Bildnachweis: © Fotolia Titelbild: contrastwerkstatt – #01: Nikita Kuzmenkov – #02: Maksym Yemelyanov – #03: baloon111

Über Iris Martin

Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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